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Testbericht

Stefan Grundhoff, 16. Juli 2013
Seit mehr als 40 Jahren ist der Range Rover der Inbegriff von Luxus im Gelände. Die souveränste Art in dem Briten unterwegs zu sein, ist der 510 PS starke Range Rover Supercharged. Und der passt nirgends besser hin, als in die Rocky Mountains.

Ein Range Rover hat seine bekannten Rückzugsgebiete. Man trifft ihn überall auf der Welt, denn er hat nicht nur bei den Schönen und Reichen einen Namen wie Donnerhall. Die München liebt man ihn; besonders im elitären Grünwald. Natürlich auch an der Cote d\\\'Azur, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in New York oder Beverly Hills. Doch kaum irgendwo kann man den Offroad-Luxusliner besser genießen, als zwischen Denver und Las Vegas.

Und dabei muss man nicht einmal ins unwegsame Terrain abseits der Highways und Landstraßen ausweichen. Der Range Rover begeistert vom ersten Meter. Und wenn schon ein Range Rover, dann gleich das Topmodell 5.0 V8 Supercharged. Der hat zwar nicht die versprochenen 420 Kilogramm wie die Diesel abspecken können, ist aber um einiges leichter als sein Vorgänger geworden. Über 200 Kilogramm sind es, die sich durch die die Aluminiumkarosse angenehm bemerkbar machen. Nicht, dass der fünf Meter lange Range Rover aus dem britischen Werk Solihull dadurch zu einem leichten Seiltänzer geworden wäre. Doch vergleicht man ihn mit dem Vorgänger sind die fahrdynamischen Fortschritte gigantisch.

Das liegt weniger an dem kompressorbeatmeten Fünfliter-Triebwerk. Das ist im Vergleich zum Vorgänger überraschend unverändert. Mit seinen exakt fünf Litern Hubraum leistet der Achter 375 kW / 510 PS und ein maximales Drehmoment von 625 Nm. Die machen sich direkt bei den ersten Anstiegen wenn es von Denver, der Hauptstadt Colorados, nach Westen in die Rockys geht, angenehm bemerkbar. Denn Denver, dem Slogan nach "Mile-High-Town" mit einer Seehöhe von fast 1.700 Metern, setzt dem Motor bereits nennenswert zu. Wenn es über die ersten Gebirgskämme in Richtung Westen geht, sind schnell mehr als 2.500 Meter erreicht. Pro 1.000 Höhenmeter reduziert sich die Motorleistung um bis zu zehn Prozent. Das macht sich bei dem über 2,3 Tonnen schweren Koloss auch den legendären Independence Pass hinauf bemerkbar, von dem es aus Richtung Süden in Winter-Mekka Aspen geht. Der Pass hat eine Höhe von 12.095 Fuss und somit 3.686 Metern. Da freut man sich über jede Pferdestärke, die den mächtigen Allradler die engen Kehren des Colorado State Highway 82 hinauftreibt.

In den Kurven hinauf auf den Independence Pass und wieder hinunter Richtung Aspen machen sich kleine Flecken auf der ansonsten blütenweißen Range-Weste bemerkbar. Denn die Wankstabilisierung des hoch aufgeschossenen Briten könnte durchaus engagierter zu Wege gehen. In den engen Kurven wankt der Range Rover bei flotter Fahrweise deutlich und nickt ein. Der Komfort an sich, den die vielseitig verstellbare Luftfederung bietet, ist dabei grenzenlos. Unebenheiten werden trotz mächtiger 21-Zöller mit Reifen in der Dimension 275 / 45 R 20V noch angenehm weggefedert. In Sachen Komfort sind 20-Zöller sogar noch sinnvoller.

Immer wieder genießt man die exzellente Abstimmung von ZF-Achtgang-Automatik und dem bulligen Achtzylinder. Wer hier einen der beiden Diesel mit Leistungen von 258 und 340 PS fährt, ist selbst schuld. Die V8-Fahrleistungen sind entsprechend; der Durst leider auch. Denn die 12,8 Litern avisierter Normverbrauch sind in der Höhe der Rocky Mountains und weiter Richtung Nevada allenfalls eine grobe Maßgabe für den Rollbetrieb. Real verbrauchte der Range Rover 5.0 V8 Supercharged in der Praxis 14,8 Liter auf 100 Kilometern. Angesichts der üppigen Höhen und durchgängiger Bergpassagen bei Temperaturen bis zu 46 Grad im Schatten und 53 Grad in der Sonne gerade noch akzeptabel. 0 auf Tempo 100 schafft der Range in exzellenten 5,4 Sekunden. Nur bei der Höchstgeschwindigkeit gibt es Stirnrunzeln. Die abgeregelten 250 km/h Höchstgeschwindigkeit gibt es nur mit dem optionalen Hochgeschwindigkeitsreifen im 22-Zoll-Format; sonst ist bereits bei 225 km/h Schluss. Immerhin schluckt der Tank üppige 105 Liter, die der mächtige Brite auch dringend benötigt.

Kein Wunder, dass viele Kunden sich für einen Range Rover und gegen eine normale Luxuslimousine wie die Mercedes S-Klasse oder einen 7er BMW entscheiden. Der Reisekomfort auf exzellenten Lederstühlen, die sich vorne und hinten vollelektrisch einstellen und klimatisieren lassen, ist gigantisch. Bitter nur, dass die Kopfstützen in dieser Liga manuell verstellt werden müssen. Die Beinauflage dürfte für groß gewachsene Insassen gerne noch etwas länger sein. Was gefällt, ist das durchweg sehr geringe Geräuschniveau, das das vibrationsarme V8-Triebwerk, üppige Dämmmaterialien und insbesondere die Doppelverglasung ermöglichen. Dazu der bis zu 825 Watt starke Sound aus 19 Lautsprechern und der Blick auf die roten Felswände Richtung Grand Junction und weiter nach Moab tut sein Übriges, um zu begeistern. Gerade bei den heißen Temperaturen macht sich das große Panoramadach mit Schiebefunktion nicht immer angenehm bemerkbar. Zum einen könnte die Tönung stärker sein und zum anderen ist die elektrische Innenjalousie ebenso wenig blickdicht wie hochwertig. Das passt nicht zu einem Fahrzeug der Luxusliga, wo jedes Abweichen von der Perfektion nervt.

Als es vorbei an dem Antilope National Park zurück nach Norden auf die Interstate 15 Richtung Las Vegas geht, klettern die Temperaturen wieder weit nennenswert über die 40-Grad-Marke. Einmal mehr schlägt sich die Komplettklimatisierung aus Innenraum und Sitzen des Range Rover vorbildlich. Das Ladevolumen liegt zwischen 909 und 2.030 Litern. Mehr - braucht niemand. Mehr Luxus? Sowieso nicht. Die Schwächen am Range Rover 5.0 V8 Supercharged sind dabei dünn gesät. Neben den spürbaren Nick- und Wankbewegungen nervt das alles andere als gute Navigationssystem und auch bei den Assistenzsystemen bleiben für diese Luxusliga noch offene Wünsche. Und mit Xenon-Scheinwerfern ist es heute nicht mehr getan. LED-Technik nur beim Tagfahrlicht ist zu wenig. Insbesondere für einen Basispreis von 113.800 Euro, der sich mit erweitertem Sitzpaket, Umfeldkameras, Abstandstempomat, Surround-Sound und weiteren Annehmlichkeiten leicht über die 140.000-Euro-Marke pressen lässt. Dafür gibt es nicht weniger aus die perfekte Symbiose aus Luxuslimousine und Offroader - nicht nur für die grandiosen Rocky Mountains.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2013-07-16

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