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Testbericht

6. Mai 2010
Barcelona, 6. Mai 2010 - Ab Mitte Mai 2010 gibt es von Seats Kleinwagen Ibiza auch eine Kombiversion, den Ibiza ST. Es gab zwar schon einmal den Córdoba Vario, also einen Kleinwagenkombi auf Basis der Ibiza-Stufenheckversion. Dennoch muss ein Stirnrunzeln schon erlaubt sein. Denn ein Kleinwagen-Kombi passt perfekt zum Nutzwert-Image von Skoda - aber bei Seat? Der Marke, die sich "auto emoción" auf die Fahnen schreibt? Wir ließen es nicht beim Stirnrunzeln bewenden, sondern haben den Seat Ibiza ST mit dem 75 PS starken Dreizylinder-Diesel für Sie getestet. Ganz klar schicker als der Fabia Combi Von außen fällt zunächst einmal auf, dass der Ibiza-Kombi deutlich schicker geworden ist als das Pendant der tschechischen Partnermarke Skoda. Während beim Fabia Combi die Proportionen einfach nicht stimmig sind, wirkt der Seat auch von hinten noch gefällig. Den Nachteil des geglückten Designs kann man dem Datenblatt entnehmen: Das Kofferraumvolumen ist mit 430 bis 1.164 Liter deutlich geringer als beim Skoda Fabia Combi, der 505 bis 1.485 Liter einpacken kann. Hier ist also gewissermaßen das unterschiedliche Image der beiden Marken erhalten geblieben: Der Skoda legt den Akzent auf Nutzwert, der Seat eher auf die schicke Optik. Gerade der Wert für dachhohe Beladung bei umgeklappten Rücksitzen ist allerdings kein Ruhmesblatt für den Ibiza ST - sogar die Fabia Limousine bietet schon mehr. Ladeschwelle und keine ebene Ladefläche Vergleicht man den Laderaum des Ibiza ST mit anderen Kombis, fällt noch etwas negativ auf: Es existiert eine Schwelle, die verhindert, dass man schweres Ladegut einfach aus dem Auto herausziehen kann. Außerdem wird die Ladefläche nach dem Umklappen von Rücksitzlehnen und Rücksitzflächen nicht komplett eben, sondern es bleibt eine geringe Neigung und eine etwa fünf Zentimeter hohe Schwelle. Beides ist allerdings beim Fabia Combi ebenso.

Konkurrenz aus Frankreich Besser gelöst ist es beispielsweise beim Renault Clio Grandtour, wo es einen Einlegeboden gibt, der die unpraktischen Ladehemmnisse egalisiert. Wo wir schon mal beim Clio-Kombi sind: Hier liegt das Ladevolumen bei mittelprächtigen 439 bis 1.277 Liter. Der dritte und letzte Konkurrenzkombi - lässt man den eher lifestyligen Mini Clubman außen vor - ist ebenfalls ein Franzose, nämlich der Peugeot 207 SW. Bei diesem ist die Ladefläche perfekt eben, aber es existiert eine Ladeschwelle. Das Ladevolumen ist mit 337 bis 1.258 Liter noch kleiner als beim Renault. Keine optimalen Kombiqualitäten Wer ganz viel Laderaum für wenig Geld haben will, kann sich auch noch den Dacia Logan MCV ansehen. Selbst wenn die Rücksitze benutzt werden, kann man hier 700 Liter einladen. Doch zurück zu unserem Seat: Insgesamt sind seine Kombiqualitäten nicht optimal. Das Positive wollen wir aber nicht verschweigen: Die Ladekante liegt beim Seat-Kombi spürbar niedriger als bei der Limousine, und auch die Klappe öffnet weit genug nach oben. Auch ist im Fond genug Platz für Erwachsene. Weniger befriedigt die Materialwahl im Interieur - bei den gefahrenen Ausstattungen Reference und Style wird viel Hartplastik verwendet. Motoren aus dem Polo Im Ibiza ST werden sieben Motoren angeboten - im Wesentlichen die gleichen wie beim VW Polo und Skoda Fabia. Bei den Dieseln ist alles neu, bei den Benzinern noch nicht. Die Ottomotorenpalette beginnt mit zwei Dreizylindermotoren mit 60 und 70 PS. Es folgt der 1.4 mit 85 PS, der beim Fabia schon von einem gleich starken 1.2 TSI ersetzt wurde. Und schließlich das neue Glanzstück, der 1.2 TSI mit 105 PS. Auf der Dieselseite steht der neue 1.2 TDI mit 75 PS, ein Dreizylinder, der sich vom viertöpfigen 1.6 TDI durch Amputation eines Brennraums ableitet. Hinzu kommen zwei Versionen des 1.6 TDI mit 90 und 105 PS. Von den sieben Aggregaten sind der 1.2 mit 60 PS, der 1.2 TSI und der 1.2 TDI erst ab September verfügbar. Die Spritsparversion Ecomotive gab es bisher im Ibiza nur für einen Diesel, in Zukunft erhalten zwei Motoren das Prädikat: der 1.2 TDI und der 105 PS starke Benziner. Sie besitzen eine Start-Stopp-Automatik; welche Maßnahmen noch zum "Ecomotive" gehören, teilt Seat noch nicht mit.

Dröhnend bei 1.600 U/min Die von uns gefahrene spanische Version des 1.2 TDI besaß kein Start-Stopp-System, doch die Motorcharakteristik ist wohl gleiche wie bei der deutschen. Dass es sich um einen Dreizylinder handelt, ist schon auf den ersten Metern hörbar. Der Motor klingt rau und im Stand auch etwas laut. Akustisch unangenehm ist das Auto auch, wenn man es so fährt, wie es die Schaltpunktanzeige empfiehlt. Dann bewegt man sich des Öfteren bei 1.600 U/min dahin. Für einen modernen Diesel ist das eigentlich nicht extrem untertourig, doch unser 1.2 TDI dröhnt und brummt hier ordentlich. Wenn man beschleunigen will, hilft bei dieser Drehzahl auch kein Vollgas, man muss herunterschalten. Überhaupt bietet der 1.2 TDI nicht gerade üppigen Vortrieb. Bei höherem Tempo und Drehzahlen bis zu grenzwertigen 5.000 Touren fällt das Aggregat immerhin akustisch nicht negativ auf. Extrem niedriger Verbrauch Positiv am neuen Diesel ist natürlich der Spritverbrauch. Der auch im ultrasparsamen Polo BlueMotion verfügbare (und für den Skoda Fabia angekündigte) Motor soll im Ibiza ST Ecomotive 3,6 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Damit ist das Auto das drittsparsamste Fahrzeug auf dem deutschen Markt - hinter dem Smart Fortwo 0.8 cdi und dem VW Polo BlueMotion. Im Kombisegment kommt nur der Volvo V50 1.6D DRIVe mit 3,9 Liter in die Nähe. Der 1.2 TDI wird zudem mit Partikelfilter geliefert und erfüllt wie alle Aggregate im Ibiza ST die Euro-5-Abgasnorm. Unser Auto besitzt außerdem die bei allen Versionen serienmäßige Fünfgang-Schaltung, die dem Fahrer keine Steine in den Weg legt. Allerdings: Manche VW-Polo-Versionen besitzen bereits eine Sechsgang-Schaltung. Wer nicht schalten mag, hat beim Ibiza ST die Möglichkeit, ein Siebengang-DSG zu bestellen - allerdings nur beim Top-Benziner. Sehr gute Lenkung, angenehmes Fahrwerk Positiv am Ibiza ST fällt die leichtgängige und erfreulich direkte Lenkung auf. Damit wirkt das Auto sehr wendig und es macht Spaß, in die Kurve zu fahren. Das Fahrwerk scheint etwas weicher ausgelegt zu sein als der kürzlich getestete neue Fabia Combi. Dies gilt für den "normalen" Ibiza ST - die Sport-Version besitzt ein strafferes Wesen. Das vermissen wir nicht, denn die normale Abstimmung bietet einen guten Kompromiss: genügend komfortabel, um klaglos über kleine Unebenheiten hinwegzukommen und doch wankresistent genug für moderat genommene Kurven. Überdies ist ein ESP in allen Versionen Serie - was in Kleinwagen nicht selbstverständlich und deshalb umso erwähnenswerter ist.

Ab 12.290 Euro Einen Kleinwagen-Kombi kauft man nicht nur wegen der geringen Abmessungen, sondern wohl auch wegen des niedrigen Preises. Beim Ibiza ST beginnt die Liste mit 12.290 Euro. Dafür erhält man den 60 PS starken Ibiza ST ohne Zusatzbezeichnung. Zum Vergleich: Der Skoda Fabia Combi ist - mit dem gleichen Motor - bereits für 11.180 Euro zu haben. Beim 207 SW zahlt man mindestens 13.450 Euro (für 75 PS), beim Clio Grandtour mindestens 13.600 Euro. Viel günstiger, allerdings nicht mit ESP ausrüstbar, ist der Logan MCV für einen Grundpreis von 7.990 Euro. Wer sich in den schicken Seat verliebt hat, aber einen anderen Antrieb als den 60-PS-Motor will, muss mindestens die Version Reference wählen und zahlt dann mindestens 13.640 Euro für die 70-PS-Variante. Sinnvolle Style-Ausstattung Der getestete 1.2 TDI kostet als Reference 16.800 Euro. Luxus ist hier beileibe noch nicht serienmäßig. An Bord sind Front- sowie kombinierte Kopf- und Seitenairbags und ein ESP. Außerdem gehören eine schwarze Dachreling, eine in Höhe und Länge einstellbare Lenksäule, ein höheneinstellbarer Fahrersitz, elektrische Fensterheber vorne, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung zur Serienausstattung. Die Außenspiegel werden manuell eingestellt und die Rückbank kann nur im Ganzen umgeklappt werden. Die hinteren Bremsen an den 14-Zoll-Stahlfelgen sind als Trommeln ausgeführt - die stärkeren Motoren besitzen ab der Version Style hinten Scheibenbremsen. Klimaanlage und CD-Radio können im Paket für 1.500 Euro dazubestellt werden, womit man bei 18.300 Euro landet. Sinnvoller ist die Version Style für 18.650 Euro. Sie enthält neben Klimaanlage und CD-Radio auch die elektrische Außenspiegelverstellung, elektrische Fensterheber hinten, 15-Zöller, die geteilte Rückbank und sogar Tempomat sowie Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht. Wer mehr will, kann noch die Version Sport ordern.
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Technische Daten
Antrieb:Front
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Schaltung
Motor Bauart:Turbodiesel-Reihenmotor, Common-Rail-Einspritzung
Hubraum:1.199
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:3
Leistung:55 kW (75 PS) bei UPM
Drehmoment:180 Nm bei 1.500-3.450 UPM
Preis
Neupreis: 18.650 € (Stand: Mai 2010)
Fazit
Der Seat Ibiza ST wird naturgemäß mit dem auf der gleichen Basis beruhenden Skoda Fabia Combi verglichen. Im Vergleich ist der Seat deutlich schicker, aber nicht so praktisch. Der Grundpreis ist ebenfalls bei Skoda niedriger. Beim Skoda wird außerdem bei den mittleren Benzinern schon der neue und deutlich sparsamere 1.2 TSI angeboten wird. Für den Seat sprechen die schickere Optik, die gute Lenkabstimmung sowie das etwas komfortablere Fahrwerk. Insgesamt bietet der Ibiza ST für einen Kombi eher enttäuschenden Nutzwert, und zumindest mit dem 1.2 TDI auch nicht viel "emoción".
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2010-05-06

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