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Testbericht

Stefan Grundhoff, 6. Februar 2010
Wer ihm in die Augen schaut, hat schon verloren und meint, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Im Gegensatz zum Porsche Panamera kann sich zudem auch sein Hinterteil sehen lassen. Der Aston Martin Rapide ist ein Lustbringer für vier, die es eilig haben.

Schnell, schön und begehrenswert – vier lange Jahre mussten die Fans des Aston Martin Rapide auf die Umsetzung der Detroit-Studie aus dem Jahre 2006 warten. Ende März / Anfang April ist es soweit. Die noch junge Klasse der viertürigen Coupés hat ihr neues Aushängeschild. Der Rapide betört Damen und lässt wohl betuchte Männer das geliebte Singledasein für mehr als einen Augenblick vergessen. Endlich ein Aston Martin mit Platz für vier – oder besser zwei plus zwei. Denn im Gegensatz zu Konkurrenten wie Maserati Quattroporte, Mercedes CLS und besonders Porsche Panamera bietet der grandios gezeichnete Aston Martin in der zweiten Reihe allenfalls Platz für zwei schmal gewachsene Damen oder den eigenen Nachwuchs. Geschäftspartnern oder selbst den Schwiegereltern will man die engen Einzelsitze in der zweiten Reihe allenfalls auf einen Kurztrip zum nächsten Tennisplatz zumuten. Aston- Martin-Chef Dr. Ulrich Bez: „Wir bieten auch hinten Sportsitze. Das ist ein völlig anderes Fahrgefühl als auf einer Bank.“ Da wird das Ein- und Aussteigen zur Kletterpartie. Das Laderaum fasst 301 bis 750 Liter.

Der Grund für das überschaubare Platzangebot ist die sexy Schulter und das scharf geschnittene Dachkontrukt des 5,02 Meter langen Rapide. Wüsste man es nicht besser – der Brite wäre ein ganz normales Sportcoupé mit langem Radstand, flacher Dachlinie und zwei Türen. Dabei ist er schärfer geschnitten als alle seine Konkurrenten. Doch auch wenn der Rapide als erstes Modell seit dem polarisierenden Lagonda vier Türen und vier Sitzplätze bietet, stehen andere Werte im Vordergrund. So sieht er nicht nur betörend schön aus, sondern ist mit seinem aus dem DB9 entliehenen V12-Triebwerk einer der schnellsten Viertürer der Welt. 350 KW / 477 PS und 600 Nm maximales Drehoment bei 5.000 Touren ermöglichen nicht nur eine Beschleunigung von 0 auf Tempo 100 in kaum mehr als fünf Sekunden, sondern auch eine Höchstgeschwindigkeit jenseits der 300er-Marke.

Dass der Durchschnittsverbrauch bei so viel Tatendrang bei kaum unter 17 Litern auf 100 Kilometern liegen dürfte, scheint kaum zu stören. Ein Achtzylinder, gegebenenfalls mit Turboaufladung, ist nach Aussagen von Firmenchef Dr. Ulrich Bez derzeit nicht in Planung: „Wir bauen keine billigen Autos. Für 1.000 Autos mehr im Jahr baue ich keinen Achtzylinder in den Rapide ein.“ Auch muss die gut abgestimmte Sechsgang-Automatik aus dem Hause ZF die Schaltarbeit übernehmen. Die achtstufige Version mit Start-Stopp-Funktion, die gerade bei der Konkurrenz Einzug hält, bleibt außen vor.

Der Aston Martin Rapide ist im Gegensatz zu Vantage, DB9 und DBS kein waschechter Brite. Denn weil die Produktionskapazitäten im Stammwerk Gaydon fehlen, wurde der Bau des Aushängeschildes zu Karoseriespezialist Magna ins österreichische Graz gegeben. „Wir können hier pro Jahr rund 2.000 Fahrzeuge bauen“, so der Produktverantwortliche Kim Palmer, „in diesem Jahr rechnen wir mit mindestens 1.600 verkauften Fahrzeugen.“ Die Idee für den Bau eines viertürigen Coupés ist nicht neu. „Das kam mir erstmals 1998 in den Sinn“, erinnert sich Bez, der erst zwölf Jahre bei Aston Martin das Ruder übernahm, „2005 kam die Idee denn wieder hoch.“ Man brauchte ein Fahrzeug, um zukünftigen Investoren den Mund nach Aston Martin wässrig zu machen, denn Ford plante den Verkauf der britischen Nobelmarke. „Wir waren 2006 die ersten, die ein solches Fahrzeug gezeigt haben“, unterstreicht der Aston-Martin-Chef den frühen Zeitpunkt der Premiere. Doch die Abspaltung von Ford kostete viel Zeit und die Konkurrenz gab mächtig Gas. Selbst Hauptwidersacher Porsche überholte den Rapide mit seinem Panamera im letzten Jahr. „Unter Ford hätten wir Projekte wie den One77 oder den Rapide nicht hinbekommen“, gibt sich Dr. Ulrich Bez zufrieden, „nun haben wir den Vorteil unabhängig zu sein und uns bei Entwicklung und Produktion bei jedem bedienen können.“

Das Ergebnis kanns sich nicht nur sehen, sondern insbesondere auch fahren lassen. Der Rapide ist ein sportlicher Gleiter, dessen Fahrwerksabstimmung keinen Vergleich scheuen muss. Lange Geraden, Wechselkurven und Bergstraßen – der Rapide ist auch hier ein Lustbringer. Wer es härter will, kann mit einem Sportprogramm und elektronischen Dämpfern jederzeit nachschärfen. Die Lenkung ist präzise; jedoch auf Langstrecken nicht zu spitz und die Bremsen sorgen für die Verzögerung, die sich der ambitionierte Pilot von seinem Sportler wünscht. Der Rapide hätte das Zeug zum echten Sportler – hätte er nicht 1.980 Kilogramm Leergewicht auf den Rippen. Trotz steifer Aluminium- Karosse, 20-Zöllern und dem souveränen Fahrwerk kann der Hecktriebler das im Grenzbereich nicht völlig überspielen.

Dabei setzen die Aston-Verantwortlichen in erster Linie auf das Design des Brit-Beaus. „Der Rapide ist der eleganteste Viertürer der Welt“, lässt Chef- Entwickler Ian Minard gedankliche Flirts an Schönheiten wie Quattroporte oder CLS gar nicht erst aufkommen. Innen wie außen betört der Viertürer Liebhaber und Konkurrenten gleichermaßen. Ebenso filigran wie das Außendesign präsentieren sich Sitze, Bedienelemente und Lederoberflächen im Innenraum. Auch wenn es im Fond für die Passagiere allzu eng zugeht: ein Blick durch die rahmenlosen Scheiben zeigt Annehmlichkeiten wie Sitzklimatisierung, DVD-Entertainment und einen getrennte Klimaregelung. Kim Palmer: „Wir wollten nur das Beste vom besten.“ Das dürfte der geneigte Fahrer überrascht sein, dass klassenübliche Ausstattungsdetails schlicht ausgespart wurden. So bietet der Aston Martin Rapide trotz eines Preises von 180.000 Euro weder Abstandstempomat, Überhol- oder Spurhalteassistent noch Selbstverständlichkeiten wie einen schlüssellosen Zugang oder eine elektrische Heckklappe – nicht einmal gegen Aufpreis.
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Quelle: Autoplenum, 2010-02-06

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