Hyundai / Kia greifen Toyota an - Die Welt ist genug
Testbericht
Hyundai hat ein Klassejahr hinter sich. Nicht nur in Asien, sondern auch in Europa und den USA ist der koreanische Großkonzern längst eine automobile Macht, an dem kaum jemand vorbeikommt. Die Pläne für die Zukunft sind gigantisch.
Auch wenn es offiziell kaum jemand zugibt, strebt Hyundai Motors mit seinen beiden Marken Hyundai und Kia die Weltherrschaft auf dem Automobilmarkt an. Vor Jahren wankte bereits die Welt, als General Motors, seit Jahrzehnten größter Autohersteller weltweit, von Toyota erst angegriffen und dann abgelöst wurde. Auch Volkswagen schielt seit Jahren hungrig auf die Weltherrschaft. Doch der deutsche Vielmarkenkonzern ist keinesfalls so straff durchorganisiert, wie Hyundai und Kia dies sind. So haben sich die beiden koreanischen Autohersteller in den letzten zehn Jahren vorbildlich in Position gebracht. Gerade in USA werden sie bereits in einem Atemzug mit Toyota oder Chevrolet genannt; haben ihren Marktanteil auf zehn Prozent gesteigert. Modelle wie der Sonata gehören zu den Bestsellern im beliebten US-Limousinen-Segment während bei den Geländewagen Hyundai Santa Fe oder Kia Sportage auf der Beliebtheitsskala nach wie vor vorne mitfahren. In Indien, einem der größten Wachstumsmärkte, hat sich Hyundai sicher hinter Marktführer Suzuki-Maruti positioniert. In China gehört Hyundai zusammen mit Marktführer Volkswagen ebenfalls zu den größten Autoherstellern.
Auch in Europa und besonders in Deutschland läuft es prächtig. Der Verkaufsturbo Abwrackprämie, der den Marktanteil 2009 von 1,7 auf knapp 2,5 Prozent steigerte, war kein Saisongeschäft. Das Niveau wurde gehalten. In Deutschland darf es bekanntlich gerne etwas kleiner sein und so erfreuen sich Modelle der Klein- und Kompaktwagenklasse besonders großer Nachfrage. Die Fehler von Hyundai in den letzten Jahren sind rar. Noch immer kann kaum jemand nachvollziehen, wieso Hyundai bei seinen Fahrzeugen von einprägsamen Modellnamen wie Santa Se, Sonata oder Tucson auf wilde Kürzel wie i10, ix20 oder ix 35 wechselte. Das macht es den Neukunden kaum einfacher und die meisten Modellnamen waren fest in den Köpfen etabliert. Die Zuwachsraten in den einzelnen Segmenten sind jedoch imposant. Mit den Europa-geneigten Modellen Hyundai i30 und Kia Ceed zeigten die miteinander verwobenen Marken, dass auch ausländische Hersteller im umkämpften Kompaktklasse-Segment um VW Golf, Opel Astra und Ford Focus eine Chance haben. Gerade mit Blick auf die Märkte in Nordamerika, Südamerika und Asien bräuchten die Koreaner zwei bis drei gute Pick-Up-Modelle. Zudem hinken Hyundai / Kia bei Antriebs- und Motorentechnik mehr als erwünscht hinterher. Moderne Turbo-Benziner oder Hybridmodule kommen mit Verspätung.
Bei den SUV waren sie zumindest in den kleinen Klassen schneller als die deutsche Konkurrenz und bereiteten Toyota, Honda und Mazda nicht nur in Europa Kopfzerbrechen. Jetzt soll es ein Ausrufezeichen in Sachen Image und Luxus geben. Hyundai bringt im Herbst dieses Jahres die Luxuslimousine Equus auf den Markt. Die Luxuslimousine mit V8-Motor, Schlafsitzen im Fond und Hightech-Ausstattung hatte vor knapp fünf Jahren bereits ein kurzes Ausrufezeichen in Deutschland gesetzt. Für die Funktionäre der FIFA kamen knapp 50 Fahrzeuge nach Deutschland, damit der Hauptsponsor der Fußball-Weltmeisterschaft sich auch hier stilecht in Szene setzen konnte. Nachdem die alte Equus-Generation keine Chance gegen die deutsche Luxusklasse gehabt hätte, ist das bei einem Vergleich mit dem neuen Topmodell aus Korea keinesfalls klar. Der über 5,16 Meter lange Equus VS 460 startete Ende des letzten Jahres in den USA und kommt im Herbst 2011 auch nach Deutschland. Als direkter Konkurrent von Mercedes S-Klasse, Audi A8 und BMW 7er werden sich die Equus-Verkäufe in homöopathischen Dimensionen bewegen; doch Hyundai Motors will zeigen, dass man in jedem Segment bestehen kann. Die noblen Genesis-Modelle sind bereits auf Markt und greifen in der Oberklasse Coupés und Limousinen an.
Während sich andere internationale Autohersteller verstärkt mit Zulieferern herumschlagen müssen, um Prozesse abzustimmen, Preise auszufechten und Liefertermine abzusichern, geht Hyundai einen anderen Weg. Viele der Zulieferer, mit denen die Koreaner zusammenarbeiten, gehören ihnen selbst. Das erhöht den Druck und sorgt für schlanke Hierarchien. Toyota war vor vielen Jahren einen ähnlichen Weg gegangen – und der hatte an die Spitze der Automobilindustrie geführt. Die Japaner sind weltweit nach wie vor die Nummer eins. Aber die Qualitätsprobleme haben dem strahlenden T-Logo ein paar schmerzhaft stumpfe Stellen zugefügt. In Deutschland sank der Marktanteil deutlich. Toyota wird sich 2011 / 2012 wieder erholen können. Doch weltweit bekommen die Vorzeige-Japaner nunmehr deutlich mehr Druck aus Korea.
Der Erfolg von Hyundai kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren setzen die Koreaner auf zentrale Märkte und schauen sich ihre Konkurrenten ganz genau an. Woher kommt der Erfolg von Volkswagen, Fiat oder BMW? Weshalb sind die Gewinnmargen von Toyota so vorbildlich? Bei den Kostenstrukturen hilft das Doppelmarkenkonzept aus Hyundai und Kia. Der gewöhnliche Autokunde in Frankfurt, Genf oder Chicago kennt vielleicht beide Automarken und aller Voraussicht nach noch ihre Herkunft aus Korea. Doch viele Autofahrer wissen nicht, dass Kia komplett zum Hyundai-Konzern gehört, die meisten Fahrzeuge gemeinsam entwickelt werden und unter den Blechen weitgehend die identische Technik schlummert. Die Autos von Kia und Hyundai sind seit Jahren nicht mehr die Billigheimer, als die sie gestartet sind.
Die Preise sind fair, die Qualität stimmt und das Design richtet sich nach den Marktgegebenheiten. In den wichtigsten Regionen gibt es lokale Produktionen und das Design ist sowieso lokal. Kia kaufte vor Jahren zum Beispiel den deutschen Designer Peter Schreyer ein, der der Marke ohne Wiedererkennungswert eben einen solchen geben sollte. Der Prozess läuft und ist bis dato ein voller Erfolg. Im Sommer kommt der Nachfolger des Kleinwagens Kia Rio auf den Markt. Neben einem anderen Namen wird das Design nicht wiederzuerkennen sein. Kreiert in den Designstudios in Korea, Frankfurt und Irvine / Kalifornien. Kia und Hyundai werden in den nächsten Jahren für viel Aufsehen sorgen - das steht fest.





























