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Testbericht

18. August 2011
Haar, 19. August 2011 - Große Limousinen müssen einen V8 unter der Haube haben. Oder besser sogar zwölf Zylinder. Gut, sechs Töpfe mögen zur Not auch reichen. Aber ein Vierzylinder-Aggregat in der Oberklasse? Noch dazu in der S-Klasse, dem Inbegriff einer Luxus-Limo? Was früher undenkbar war, hat Mercedes jetzt in die Tat umgesetzt. Denn mittlerweile wollen beziehungsweise müssen auch Firmenbosse, Politiker oder Fuhrparkmanager Verbrauchs- und Schadstoffwerte berücksichtigen, bevor sie einen neuen Wagen ordern. Der S 250 CDI BlueEfficiency kann als sparsamstes Oberklasse-Fahrzeug auf dem Markt ein umweltfreundliches Anforderungsprofil erfüllen. Aber reicht der Vierzylinder-Diesel für die S-Klasse aus? Klingt nicht wie eine S-Klasse Wir lassen den Motor an und vernehmen ein leichtes Rattern und Nageln. Nein, nach einer S-Klasse hört sich das nicht an, eher nach einer C-Klasse. Was nicht ganz falsch ist, denn das 2,1-Liter-Aggregat mit 204 PS kommt auch im Mittelklasse-Mercedes zum Einsatz, ebenso in der E-Klasse. Doch der nicht ganz standesgemäße Sound fällt beim S 250 CDI vor allem beim Kaltstart auf, ansonsten muss man schon genau hinhören. Denn um Vibrationen und Geräusche für die Passagiere möglichst gering zu halten, haben sich die Stuttgarter Ingenieure beim Spritsparmodell der prestigeträchtigen Baureihe besondere Mühe gegeben. Als Neuheit kommen dynamisch gesteuerte Motorlager zum Einsatz. Je nach Drehzahl, Last und Fahrgeschwindigkeit verändern diese per Datenbus mit der Motorsteuerung vernetzten Lager ihre Steifigkeit und Dämpfung. Die Übertragung störender Schwingungen auf die Karosserie konnte so spürbar reduziert werden. Keineswegs zu schwach auf der Brust Der S 250 CDI wird aber nicht nur angenehm leise, sondern vor allem auch kraftvoll vorwärts bewegt. Denn was wir im Vorfeld befürchtet hatten, tritt definitiv nicht ein: dass der Vierzylinder-Diesel für den 5,10 Meter langen und rund zwei Tonnen schweren Koloss zu schwach auf der Brust wäre. Vom Start weg wird die neue Einstiegs-S-Klasse agil vorangetrieben. Die üppigen 500 Newtonmeter Drehmoment stehen bereits ab 1.600 Touren zur Verfügung. Möglich macht das unter anderem die zweistufige, in Reihe geschaltete Aufladung - bestehend aus einem kleinen Hochdruck- und einem großen Niederdruck-Turbolader.

Abstriche gegenüber dem Sechszylinder Auch auf der Autobahn muss man keine Angst haben, dass die linke Spur nur für kurze Überholmanöver geeignet ist. Natürlich müssen im Vergleich zu einem Dreiliter-Sechszylinder-Diesel Abstriche hingenommen werden, doch selbst bei hohem Tempo stellt der S 250 CDI immer ausreichend Kraftreserven zur Verfügung. In 8,2 Sekunden beschleunigt die Limousine von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 240 km/h. Start-Stopp manchmal zu zügig Immer mit an Bord der Spar-S-Klasse ist eine Start-Stopp-Automatik. Die stellt den Motor bei Stillstand des Fahrzeugs kaum merklich ab, manchmal allerdings zu zügig: etwa beim Rangieren, wenn man sich vorsichtig zentimeterweise in eine Parklücke vortastet und der Motor immer wieder kurzzeitig ausgeht. Nach einem Schalter zum Deaktivieren des Start-Stopp-Systems suchten wir anfangs vergeblich. Denn abschalten lässt es sich nur, indem man in den Sportmodus der Getriebesteuerung wechselt. Dann werden zugleich die sieben Gänge der samtweichen Automatik länger ausgereizt. Im Eco-Modus hingegen schaltet der Wandlerautomat früh herauf und hält den Motor häufig unterhalb von 2.000 Umdrehungen. Die serienmäßigen Schaltwippen am Lenkrad mögen zwar sportlich ambitionierte Fahrer erfreuen, sind in unseren Augen aber verzichtbar. Perfektes Dahingleiten Dank serienmäßiger Luftfederung gleitet auch der S 250 CDI so komfortabel über den Asphalt, wie das eben nur eine S-Klasse kann. In Kombination mit dem großzügigen Platzangebot, dem luxuriös gestalteten Interieur und der makellosen Verarbeitung kommt so weder beim Chauffeur noch bei den Mitfahrern das Gefühl auf, in einer sparsamen Einstiegsversion unterwegs zu sein. Wobei unser Testwagen dank zahlreicher Extras wie Lederausstattung, Massagesitzen, TV-Tuner und mehr diesen Eindruck weiter mindert.

Unter sieben Liter sind möglich Und wie schlägt sich der S 250 CDI in Sachen Verbrauch? Mercedes gibt im günstigsten Fall 5,7 Liter je 100 Kilometer an, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 149 Gramm pro Kilometer. Damit unterbietet der Wagen alle Konkurrenten in Sachen Durst deutlich. Mit Abstand folgen der 258 PS starke Sechszylinder-Bruder S 350 BlueTec (6,2 Liter) sowie der Porsche Panamera Diesel (6,5 Liter) und der Audi A8 3.0 TDI (6,6 Liter) mit jeweils 250 PS unter der Motorhaube. Wir benötigten auf unseren Testfahrten mit der Vierzylinder-S-Klasse durchschnittlich 8,5 Liter Diesel. Wer sich auf der Autobahn aber mit 120 bis 130 km/h zufrieden gibt, der kann auch mit weniger als sieben Liter auskommen. So macht Sprit sparen selbst mit einer Luxuslimousine Spaß.
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Technische Daten
Antrieb:Heckantrieb
Anzahl Gänge:7
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Reihen-Dieselmotor mit Common-Rail-Direkteinspritzung und zweistufiger Turboaufladung
Hubraum:2.143
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:150 kW (204 PS) bei UPM
Drehmoment:500 Nm bei 1.600 bis 1.800 UPM
Preis
Neupreis: 71.876 € (Stand: Juli 2011)
Fazit
Vier Zylinder in der S-Klasse reichen als Einstieg in der Tat aus. Der 2,1-Liter-Turbodiesel überzeugt durch genügend Kraft, hohe Elastizität und bildet in Verbindung mit der sanften Automatik eine ansprechende Motor-/Getriebe-Kombination. Einzig auf angemessenen Motorsound muss der Fahrer eines S 250 CDI BlueEfficiency verzichten. Das lässt sich aber verschmerzen, weil die Oberklasse-Limousine sich nicht nur auf dem Papier als sparsam erweist. Ohne Anstrengung lässt sich der S 250 CDI mit durchschnittlich acht Liter fahren, doch auch weniger als sieben Liter sind nicht fern der Realität.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2011-08-18

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