VW Passat 2.0 TDI 4Motion - Türöffner
Testbericht
Es gibt spannendere, emotionalere Autos als einen VW Passat. Doch die Wolfsburger Mittelklasse greift gerade als Kombiversion mit beeindruckenden Qualitäten mittlerweile sogar Audi A6 oder Mercedes E-Klasse an und lässt Dienstwagenfahrer träumen.
Wer sich für einen VW Passat entscheidet, wird in seiner Nachbarschaft kaum anerkennende Blicke ernten. Die meisten Passat Variant sind Dienstwagen, Kilometerfresser und blasse Familienautos mit mäßiger Ausstattung und wenig Charme. Die neueste Generation offenbart jedoch viel mehr als dezentes, unaufgeregtes Design und greift damit sprichwörtlich nach den Sternen. Wer sich in den mittleren Management-Ebenen seit Jahr und Tag für einen Audi A6 Avant oder eine Mercedes E-Klasse als T-Modell entscheidet, muss seinem Vorgesetzen zukünftig wohl erklären, wieso es nicht auch ein VW Passat tut. Die objektiven Qualitäten bei Antrieb und Platzangebot lassen kaum Wünsche offen und die Kosten passen ebenso. Wer will, ordert Luxusausstattungen, Allradantrieb und Powerdiesel. Fehlen allein das Premiumimage, sechs Zylinder und die neidischen Blicke der Nachbarschaft.
Denn eines wird man mit dem 4,77 Meter langen VW Passat auch zukünftig nicht: auffallen. Dazu ist sein allemal gelungenes Design zu zurückhaltend und unspektakulär. Doch wer den Griff der Tür betätigt, der öffnet gleichzeitig auch das Tor zu bezahlbaren Premiumliga. Volkswagen nimmt wohlwollend zur Kenntnis, dass der Passat als Limousine und Variant das Biedermannimage der vergangenen vier Jahrzehnte abgelegt hat und sich mit gigantischen Millionenaufwänden nunmehr zu höheren Sphären wie einer Mercedes E-Klasse aufschwingt. Doch geht es darum, dass der Bestseller nunmehr selbst einem vierzylindrigem Audi A6 Avant die Luft aus den Reifen lässt, gibt es wildes Kopfschütteln und gebetsartig vorgetragene Aussagen, dass es hier kaum Überdeckungen im Kundenkreis gäbe. Wer sich Serienausstattung und Aufpreisliste beider Konzernkonkurrenten anschaut, wird daran ernsthaft zweifeln. Wer ein paar Kilometer gefahren ist, muss über die Bekundungen schmunzeln, auch wenn einige Oberflächen nicht auf Premiumniveau sind.
Vorne wie hinten gibt es nicht zuletzt dank acht Zentimetern mehr Radstand nicht nur im Variant üppigste Platzverhältnisse. Der Laderaum der Limousine schluckt mit 586 Litern nochmals 21 Liter mehr der Vorgänger. Wer sich für die Kombiversion entscheidet, beschämt mit 650 bis 1.780 Litern jeden anderen Lademeister unterhalb eines Vans. Schade, dass sich VW die elektrische Heckklappe mit 810 bis 925 Euro extra bezahlen lässt. Der VW Passat bietet einen Reisekomfort, dass der Premiumkonkurrenz eine Klasse darüber Angst und Bange werden muss. Die Lenkung ist präzise und etwas zu leichtgängig. Die verschiedenen ansteuerbaren Fahrmodi könnten ebenso wie beim Golf breiter gefächert sein. Doch muss es überhaupt ein adaptives Fahrwerk sein? Der Allradantrieb ist Serie - und angesichts der Leistung von 240 PS ebenso sinnvoll wie das dezent im Hintergrund arbeitende Doppelkupplungs-Getriebe mit seinen sieben Stufen.
Allenfalls der betont dynamisch positionierte BMW 5er muss sich keine großen Sorgen um seine Kunden machen. Mercedes E-Klasse und Audi A6 schlottern ebenso die Knie wie dem Skoda Superb, der im nächsten Jahr in die gleiche Kerbe schlagen dürfte. Man sitzt klasse im VW Passat, genießt das geringe Geräuschniveau, ordentliche Materialen und Komfortfunktionen wie klimatisierte Sitze mit Massage und ein nur optional beeindruckendes Sicherheitspaket. Die Instrumente sind auf Wunsch animiert, das ehemalige Langweilermodell strahlt aus schicken LED-Scheinwerfern und wer Eindruck schinden will, ordert nicht nur den sinnvollen Allradantrieb und ein Head-Up-Display, sondern den 240-PS-Diesel, der mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und 4Motion-Antrieb gerade einmal 5,4 Liter Diesel verbraucht. Den Spurt 0 auf Tempo 100 schafft der über 1,7 Tonnen schwere Allrad-Kombi in 6,3 Sekunden. Erst bei höheren Drehzahlen wird es trotz des mächtigen Drehmoments von 500 Nm zwischen 1.750 und 2.200 Uhr etwas dünn mit dem Durchzug und die gerade einmal zwei Liter Hubraum stören. 238 km/h Spitzentempo sollten jedoch auch für eiligste Kilometerfresser reichen. Das einzige, was dem Wolfsburger vorbehalten bleibt, sind Sechszylinder, die in dieser Liga wohl nur wenige vermissen.
Längst vorbei die Zeiten, als sich ein Passat noch ernsthaft mit Ford Mondeo, Peugeot 508, Opel Insignia oder dessen Vorgängermodellen beschäftige. Noch mehr als der kleinere Golf es je getan hat, ist der VW Passat nunmehr in einer eigenen Liga unterwegs, während er mitleidig auf die neue Konkurrenz blickt, die mit Stern und Ringen am Kühler ernsthaft erst deutlich jenseits der 50.000 Euro-Marke beginnt. In der höchsten Ausstattungsvariante Highline startet das 240 PS starke Diesel-Topmodell als Limousine bei 45.125 Euro; das Volumenmodell Variant startet bei 46.300 Euro. Darin sind unter anderem LED-Scheinwerfer, Sitzheizung, adaptive Fahrwerksregelung Drei-Zonen-Klimaanlage, Komfortsitze und Notbremsfunktion enthalten. Mit Navigationssystem und einem Komplettpaket an Fahrerassistenzsystemen parkt der Vorzeige-Passat an der 50.000-Euro-Marke. Der Volumendiesel mit 150 PS kostet mit der gleichen Ausstattung als handgeschaltete Kombiversion mindestens 36.875 Euro. Weitere Motorvarianten folgen.





























