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Testbericht

Peter Eck/SP-X, 18. Oktober 2018

SP-X/Köln. Es ist einfacher, sich auf die Schultern eines Riesen zu setzen, als alles von Grund auf neu erfinden zu wollen – und dabei vielleicht auf Abwege zu geraten. Dachten sich wahrscheinlich die Ingenieure bei der Konstruktion des Kia Ceed (sowie des Schwestermodells Hyundai i30) und orientierten sich bei der neuen Generation an einem Bestseller: rund 4,30 Meter Länge, 1,80 Meter Breite, 1,48 Höhe, Radstand: 2,65 Meter und knapp 400 Liter Kofferraumvolumen. Kommt Ihnen das nicht auch irgendwie Golf vor? Aber warum auch nicht, schließlich wäre das Wolfsburger Erfolgsauto alles andere als ein schlechtes Referenzmodell. Und auf den erwähnten Schultern des Riesen kann man ja das eine oder andere sogar noch besser machen als das Original. Ob das jetzt wirklich so gelaufen ist, wissen wir natürlich nicht. Aber die Ähnlichkeiten bei den Abmessungen sind schon frappierend und optisch sieht der Ceed so aus, wie ein Kompaktwagen mit Heckklappe nun mal heute so aussieht. Wobei der Kia schon einer der schöneren Vertreter seiner Klasse ist, mit stimmige Proportionen, einem nicht zu laut geratenen Kühlergrill und einem Heckabschluss, der so auch von BMW stammen könnte. Haben Sie es übrigens gemerkt, oder denken Sie, es ist ein Schreibfehler? Nein, die in diesem Jahr auf den Markt gekommene dritte Generation des kompakten Koreaners schreibt sich jetzt nicht mehr albern cee`d, also klein und mit Apostroph, sondern und wie es sich für ein reifes, erwachsenes Auto gehört einfach: Ceed. Erwachsen, das gilt auch für den Innenraum. Das Cockpit ist geradezu vorbildlich geraten, mit hoch angesetztem Navi-Bildschirm und ausreichend groß geratenen und beschrifteten Tasten. Kein künstlich leergeräumtes Cockpit wie beim Peugeot 308 und es fehlt auch nicht an einem ganz normalen Drehregler fürs Radio – anders als bei mancher Ausstattungsstufe im Golf etwa. Dazu kommen ausreichend bequeme Sitze und genügend Ablagen. Ein absolut alltags- und langstreckentaugliches Auto eben. Lediglich der Einstieg durch den engen Türausschnitt nach hinten gerät für schon leicht angerostete Erwachsene etwas schwierig, und eine moderne Rückbank sollte heute drei- und nicht zweigeteilt sein. Als Antrieb hat uns Kia die Variante mit 1,4-Liter-Benziner hingestellt. Der Motor leistet 103 kW/140 PS und erfüllt die Abgasnorm Euro-6d-temp. Dazu nutzt er als Benziner einen Partikelfilter. Das Aggregat treibt den Ceed in unter neun Sekunden auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h an. Wichtiger: Das Auto wirkt insgesamt sehr leichtfüßig und agil. Das Fahrwerk ist top abgestimmt und schafft einen prima Spagat zwischen Komfort und Sportlichkeit. Fahrwerk und Lenkung als Schwachpunkte: Diese Zeiten sind bei Hyundai/Kia mittlerweile vorbei. Einziger Wermutstropfen, auch dieses Fahrzeug verfehlt den Normverbrauch von knapp sechs Litern deutlich, wir benötigen im Testdurchschnitt ungefähr siebeneinhalb Liter. Womit wir bei den Kosten wären. Der 50-Liter-Tank muss also alle 600 Kilometer aufgefüllt werden, was heute ja leider nicht ganz billig ist. Aber auch sonst ist der für Europa entwickelte und in der Slowakei gebaute Koreaner kein Schnäppchen mehr. Aber er ist sein Geld wert. Denn unser Auto steht in der Version „Spirit“ mit 24.690 Euro in der Preisliste und dann ist schon (fast) alles drin, also etwa Sitzheizung, LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik oder eine Rückfahrkamera. Unser Testwagen hatte noch für faire 890 Euro das Navi mit sieben Jahren Kartenupdate, JBL-Anlage und Verkehrszeichenerkennung, für 690 Euro das Technologiepaket (Parking Assist, induktive Ladestation fürs Handy, Smart-Key und Stauassistent) sowie für 590 Euro die Metalliclackierung. Letztere ein Muss, weil in Sachen Lack eh alles außer „Carreraweiß“ Aufpreis kostet. Macht summa summarum 26.860 Euro für unseren Testwagen. Und beim Händler kann man sicher noch Rabatt rausschlagen. Ein letztes Schmankerl zum Schluss: Klar bietet Kia auch den Ceed seine üppige 7-Jahres-Garantie (bis 150.000 Kilometer) an. Spätestens an dieser Stelle könnte sich der Golf mal ausnahmsweise den Ceed zum Vorbild nehmen. Kia Ceed 1.4 T-GDI Spirit – Technische Daten: Fünftürige, fünfsitzige Limousine der Kompaktklasse; Länge: 4,31 Meter, Breite: 1,80 Meter (mit Außenspiegeln: 2,06 Meter), Höhe: 1,48 Meter, Radstand: 2,65 Meter, Kofferraumvolumen: 395 – 1.291 Liter 1,4-Liter-Turbobenziner, 103 kW/140 PS, maximales Drehmoment: 242 Nm bei 1.500 – 3.200 U/min, Sechsgang-Handschaltgetriebe, 0-100 km/h: 8,9 s, Vmax: 210 km/h, Normverbrauch: 5,9 Liter, CO2-Ausstoß: 135 g/km, Abgasnorm: Euro 6d-temp, Emissionsklasse: B, Testverbrauch: 7,6 Liter Preis: ab 24.690 Euro (Ausstattungsvariante: Spirit) Preis des Testwagens. 26.860 Euro Kia Ceed 1.4 T-GDI Spirit – Kurzcharakteristik: Warum: Design, Verarbeitung, Bedienung, Fahrwerk, Abgasnorm, Garantie: alles top Warum nicht: Einstieg nach hinten eng, Verbrauch zu hoch und richtig günstig ist er auch nicht (mehr) Was sonst: Hyundai i30, VW Golf, Ford Focus, Peugeot 308, Skoda OctaviaEin Auto in der Kompaktklasse muss vor allem durch Funktionalität, Platz, Agilität und Qualität überzeugen. Das zumindest ist das Erfolgsrezept der Bestseller in dieser Klasse. Und das stand offensichtlich auch beim neuen Kia Ceed im Lastenheft ganz oben. Schwachpunkte? Da muss man bei diesem Auto schon ganz genau hingucken.

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Fazit

Ein Auto in der Kompaktklasse muss vor allem durch Funktionalität, Platz, Agilität und Qualität überzeugen. Das zumindest ist das Erfolgsrezept der Bestseller in dieser Klasse. Und das stand offensichtlich auch beim neuen Kia Ceed im Lastenheft ganz oben. Schwachpunkte? Da muss man bei diesem Auto schon ganz genau hingucken.

Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2018-10-18

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